Deutsche Visa und Aufenthaltserlaubnisse

Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat den deutschen Arbeitsmarkt für alle qualifizierten Fachkräfte geöffnet, die Beschränkung auf Defizitberufe aufgehoben und die Verfahren für deutsche Visa und Aufenthaltserlaubnisse vereinfacht. Die Blaue Karte EU ist für hochqualifizierte Fachkräfte bereits seit 2012 in Kraft. Darüber hinaus ermöglicht die Westbalkanregelung Bewerbenden ohne formale Qualifikation, eine Arbeit in Deutschland aufzunehmen.

Deutsches Visum und Aufenthaltserlaubnis - German Visa and Residence permit

Was ist der Unterschied zwischen deutschen Visa und Aufenthaltserlaubnissen?

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Jedes Land regelt die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern auf seinem Staatsgebiet nach eigenen Interessen. Die Regelungen sind meistens an die Dauer und den Zweck der Einreise und des Aufenthalts gebunden. Viele Nicht-EU-Staatsangehörige brauchen in jeden Fall ein Visum wenn Sie Deutschland besuchen möchten. Menschen aus einigen Ländern können sich aber ohne Beschränkungen bis zu drei Monate touristisch in Deutschland und anderen Ländern der Europäischen Union aufhalten. Wer jedoch länger in Deutschland bleiben möchte, um dort zu arbeiten, zu studieren oder um beim Ehegatten zu leben, braucht eine Erlaubnis dafür. Die Erlaubnis wird in Form eines Aufenthaltstitels ausgestellt. 

Es gibt verschiedene Aufenthaltstitel die aufgrund verschiedener Vorschriften erteilt werden: Nationales deutsches Visum, Blaue Karte EU, Aufenthaltserlaubnis… Zwei Arten davon – Visa und Aufenthaltserlaubnisse – werden häufig synonym verwendet, was für Verwirrung sorgen kann. Ein Aufenthaltstitel der zur Erwerbstätigkeit in Deutschland berechtigt wird von der deutschen Botschaft im Heimatland des Einreisenden zunächst in Form eines Visums erteilt. Nach Ankunft in Deutschland wird innerhalb vorgegebener Fristen die eigentliche Aufenthaltserlaubnis beantragt und von der Ausländerbehörde am neuen Wohnort erteilt. Es handelt sich also um eine mehr oder weniger administrative Angelegenheit bei der ein Aufenthaltstitel in einen anderen umgetauscht wird. 

Welche Arten von Visa und Aufenthaltserlaubnissen gibt es?

Blaue Karte EU

Die Blaue Karte EU ist eine spezielle Aufenthaltserlaubnis für hochqualifizierte akademische Fachkräfte aus Drittstaaten, die eine Beschäftigung in Deutschland aufnehmen möchten. Sie wurde 2012 eingeführt und bietet mehrere Vorteile gegenüber der „normalen“ Aufenthaltserlaubnis.

Inhaber einer Blauen Karte müssen eine Stelle antreten, die ihrer Qualifikation und ihrem Abschluss entspricht. Darüber hinaus müssen sie ein Bruttojahresgehalt von mindestens 56.800 EUR (im Jahr 2021) erhalten. Ein reduziertes Bruttojahresgehalt von mindestens 44.304 Euro (im Jahr 2021) gilt für besonders gefragte Berufe im MINT-Bereich (Mathematik, IT, Naturwissenschaften und Technik) und in der Humanmedizin. In diesem Fall muss das Bundesamt für Arbeit der Beschäftigung zustimmen.

Die Blaue Karte wird für maximal 4 Jahre ausgestellt und bietet besonders gute Voraussetzungen, um nach nur 33 Monaten eine Niederlassungserlaubnis in Deutschland zu erhalten. Wenn Deine Deutschkenntnisse auf Stufe B1 sind, dann bereits nach 21 Monaten. Das Visumverfahren ist vergleichsweise kurz und Familienmitglieder können auch unter vereinfachten Bedingungen nach Deutschland kommen. Ehegatten ohne Deutschkenntnisse haben Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis. Dies berechtigt sie auch zur Arbeit in Deutschland.

Visa und Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Fachkräfte mit akademischen Abschlüssen

In einigen Fällen können akademische Fachkräfte nicht alle Anforderungen für die Blaue Karte erfüllen, z. B. das Mindestgehalt, oder sie möchten eine Beschäftigung unterhalb ihrer Qualifikation aufnehmen. In diesen Fällen kann eine Aufenthaltserlaubnis auf der Grundlage des neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes ausgestellt werden.

Die Aufenthaltserlaubnis für ausländische akademische Fachkräfte aufgrund des neuen Einwanderungsgesetzes unterscheidet sich von der Blaue Karte in mehreren Punkten:

Die akademischen Fachkräfte müssen nicht unbedingt eine ihrer Qualifikation und ihrem Abschluss entsprechende Position annehmen. Die Fähigkeit, einen Beruf auszuüben, ist ausreichend. Dies bedeutet, dass es sogar möglich ist, in einem Beruf zu arbeiten, der laut Stellenbeschreibung nur eine qualifizierte Berufsausbildung erfordert. Zum Beispiel könnte ein Elektroingenieur als Elektrotechniker arbeiten.

Akademische Fachkräfte, die das 45. Lebensjahr vollendet haben, müssen ein jährliches Bruttogehalt von mindestens 46.860 Euro (im Jahr 2021) oder angemessene Rentenansprüche nachweisen. Eine Rente kann ein Rentenanspruch im Ausland sein, der bestimmte Anforderungen erfüllt.

Einige der Vorteile, die Inhaber der Blauen Karte für Ehepartner und Familienzusammenführung genießen, gelten nicht für diese Aufenthaltserlaubnis und führen zu längeren Verfahren.

Eine Niederlassungserlaubnis kann erst nach 48 Monaten erteilt werden.

Visa und Aufenthaltserlaubnis für qualifizierte Fachkräfte mit Berufsabschlüssen

Seit Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes am 1. März 2020 können alle ausländischen Arbeitssuchenden mit Berufsausbildung eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland erhalten, wenn ihre Ausbildung als gleichwertig anerkannt wurde und sie andere notwendige Voraussetzungen erfüllen. Es gibt keine Beschränkung mehr auf Mangelberufe.

Um diese Aufenthaltserlaubnis zu erhalten, muss die Ausbildung als gleichwertig mit dem deutschen Referenzberuf anerkannt worden sein – direkt während des ersten Anerkennungsverfahrens oder nach erfolgreichen Qualifizierungsmaßnahmen.

Die Fachkräfte können nur eine Arbeit ausführen, die ihrem Qualifikationsniveau entspricht, und können keine Position einnehmen, für die keine Berufsausbildung erforderlich ist, z.B. eine Helferposition. Sie können jedoch in verwandten Berufen arbeiten. Ein Konditor kann z.B. als Bäcker arbeiten. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens prüft die Bundesagentur für Arbeit, ob die berufliche Qualifikation es ihm ermöglicht, auf der jeweiligen Stelle zu arbeiten.

Antragsteller, die das 45. Lebensjahr vollendet haben, müssen ein jährliches Bruttogehalt von mindestens 46.860 Euro (im Jahr 2021) oder angemessene Rentenansprüche nachweisen.

Visa und Aufenthaltserlaubnis für Weiterbildung und Anerkennung der Berufsqualifikation

Fast alle Fachkräfte mit Berufsausbildung müssen ihre Qualifikationen als gleichwertig anerkennen lassen. Wenn eine vollständige Anerkennung nicht möglich ist und weitere Qualifizierungsmaßnahmen in Deutschland erforderlich sind, können sie eine Aufenthaltserlaubnis für Maßnahmen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen erhalten.

Die Aufenthaltserlaubnis wird in der Regel für 18 Monate ausgestellt und kann um 6 Monate verlängert werden. Um die Qualifizierungsmaßnahmen erfolgreich abschließen zu können, müssen Deutschkenntnisse auf Stufe B1 nachgewiesen werden. Während der Qualifizierungsmaßnahmen ist nur eine eingeschränkte Beschäftigung möglich.

Wenn es sich bei den Defiziten hauptsächlich um praktische Fähigkeiten und Kenntnisse handelt, die in der Praxis am Arbeitsplatz erlernt werden können, können die Fachkräfte sofort mit der Arbeit beginnen. Der Arbeitgeber muss einen Schulungsplan erstellen und innerhalb von zwei Jahren mit der Fachkraft erfolgreich umsetzen.

Visa und Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche

Ausländische Fachkräfte, die zur Arbeitssuche nach Deutschland gehen möchten, haben die Möglichkeit, genau zu diesem Zweck ein deutsches Visum zu beantragen.

Fachkräfte mit akademischer Qualifikation müssen über einen Abschluss verfügen, der bereits für reglementierte Berufe anerkannt ist oder mit einer deutschen Qualifikation für nicht reglementierte Berufe vergleichbar ist. Fachkräfte mit Berufsabschluss müssen eine bereits anerkannte Berufsausbildung haben.

Die Fachkräfte müssen über ausreichende Mittel und eine Krankenversicherung für den gesamten Aufenthalt verfügen. Fachkräfte mit Berufsausbildung müssen zudem über ausreichende Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 verfügen. Das Visum wird für maximal 6 Monate ausgestellt.

Visa und Aufenthaltserlaubnis aufgrund der Westbalkanregelung

Wenn die Berufsausbildung nicht anerkannt werden kann oder es in Deutschland keinen Referenzberuf gibt, ist die einzige Möglichkeit, eine Arbeit in Deutschland aufzunehmen, die Westbalkanregelung. Um eine Aufenthaltserlaubnis nach dieser Regelung zu erhalten, muss keine Qualifikation nachgewiesen werden.

Reglementierte Berufe sind ausgeschlossen und für andere Berufe müssen Mindeststandards in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Gehälter eingehalten werden.

Die Wartezeiten für Termine zur Einreichung der Visumanträge sind in dieser Kategorie am längsten.

Aufenthaltserlaubnis für Auszubildende und zur Ausbildungsplatzsuche

Die deutsche Berufsausbildung bietet jungen Ausländern eine erstklassige praktische Ausbildung und eröffnet große Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat Bewerbenden aus Drittländern den Zugang erleichtert und bietet zu diesem Zweck eine spezielle Aufenthaltserlaubnis an.

Voraussetzungen für die Aufenthaltserlaubnis sind ein Ausbildungsvertrag oder -angebot sowie Deutschkenntnisse auf Stufe B1. Die Sprachkenntnisse können auch geringer sein, wenn vor dem Beginn der Berufsausbildung ein Vorbereitungssprachkurs stattfindet. 

Die qualifizierte Ausbildung dauert mindestens zwei Jahre. Es gibt schulische und betriebliche Ausbildungen. Bei rein schulischer Ausbildung müssen ausreichende Mittel für den gesamten Zeitraum nachgewiesen werden. Bei der betrieblichen Ausbildung wird ein Teil der Ausbildung an Berufsschulen und der andere Teil im Unternehmen absolviert. In diesem Fall erhalten die Auszubildenden ein Gehalt, das die Lebenshaltungskosten abdeckt.

Wenn der Auszubildende nach Beendigung seiner Ausbildung nicht im Unternehmen beschäftigt ist, erhält er eine Aufenthaltserlaubnis für die Arbeitssuche in Deutschland. Die Arbeitserlaubnis ist ein Jahr gültig.

Wenn Bewerber nach Deutschland gehen möchten, um vor Ort eine Ausbildungsstelle zu suchen, können sie zu diesem Zweck ein deutsches Visum zu erhalten.

Voraussetzung ist, dass die Kandidaten das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und über einen Schulabschluss verfügen, der sie zum Hochschulzugang berechtigt. Darüber hinaus müssen sie Deutschkenntnisse auf Stufe B2 und genügend Mittel nachweisen, um ihre Lebenshaltungskosten für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts zu decken. Das deutsche Visum ist 6 Monate gültig.

Aufenthaltserlaubnis für IT-Spezialisten

Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz eröffnete die Möglichkeit, besonders kompetenten Ausländern unabhängig von einer formalen Qualifikation eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Dies bedeutet, dass beruflich qualifizierte Ausländer zur Beschäftigung zugelassen werden können, obwohl sie keine Berufsausbildung oder kein Universitätsstudium abgeschlossen haben, aber über langjährige Berufserfahrung in Berufen verfügen, für die normalerweise eine entsprechende Qualifikation erforderlich ist. Dazu gehören vor allem Berufe in der Informations- und Kommunikationstechnik.

Für IT-Spezialistenist es typisch, dass die technische Spezialisierung nicht unbedingt durch Ausbildung oder Abschluss erworben wird, sondern durch Berufserfahrung. Sie absolvieren in der Regel eine theoretische Ausbildung oder erwerben international anerkannte Zertifikate. Nicht jeder Job erfüllt die Anforderungen für diese Aufenthaltserlaubnis. Es wird hauptsächlich für Softwareprogrammierer und -entwickler angewendet.

Um den Mangel an Berufsausbildung oder Studium auszugleichen, muss der Ausländer eine einschlägige Berufserfahrung von drei Jahren in den letzten sieben Jahren nachweisen.

Eine weitere Voraussetzung ist ein bestimmtes Bruttojahresgehalt von 51.120 Euro (im Jahr 2021) mit ausreichenden Deutschkenntnissen auf Stufe B1. In Einzelfällen kann auf Sprachkenntnisse verzichtet werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Arbeitssprache nicht Deutsch ist.

Aufenthaltserlaubnis für Berufskraftfahrer

Anders als in den meisten anderen Ländern müssen Berufskraftfahrer in Deutschland eine dreijährige Berufsausbildung absolvieren. Da in diesem Fall ein Anerkennungsverfahren nicht anwendbar ist, da die Bewerber keine ausländische Berufsausbildung haben, wurde eine Ausnahme für Berufskraftfahrer geschaffen. Berufskraftfahrern kann eine Aufenthaltserlaubnis für Fachkräfte mit Berufsausbildung erteilt werden, wenn sie

  • einen EU/EEA-Führerschein (CE) und 
  • eine Grundqualifikation oder beschleunigte Grundqualifikation (code 95) vorweisen können. 

Wenn der ausländische Berufskraftfahrer keinen EU-Führerschein oder Grundqualifikationen besitzt, sondern nur einen Führerschein des Herkunftslandes, kann er auch einen in Deutschland erwerben.

Wenn ein ausländischer Berufskraftfahrer nur einen lokalen Führerschein und keine Grundqualifikation (Code 95) besitzt, aber ein Stellenangebot hat, kann er die fehlende Qualifikation in Deutschland erwerben und zu diesem Zweck eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Parallel zu dieser Qualifikationsmaßnahme kann der Ausländer bis zu 15 Monate in Deutschland arbeiten, z.B. in einem Lager oder als Beifahrer, bis er die Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen hat. Kenntnisse der deutschen Sprache sind nicht zwingend erforderlich, können jedoch von den Botschaften verlangt werden.

Visum zur Selbständigkeit

Freiberufler / Freelancer

Wer als Freelancer in Deutschland arbeiten möchte, kann eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer freiberuflichen Tätigkeit zu erhalten. Die Voraussetzungen sind: 

  • eine ausreichende Finanzierung
  • Entsprechende Qualifikation oder  Erfahrung für die angestrebte Tätigkeit
  • Erlaubnis zur Ausübung des Berufs, falls der Beruf reglementiert ist
  • Ausreichende Altersvorsorge bei Antragstellern über 45 Jahren

Gewerbetreibende

Wer ein Gewerbe gründen möchte, können eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Für das Produkt oder die Dienstleistung gibt es ein wirtschaftliches Interesse oder ein regionales Bedürfnis
  • Die Tätigkeit lässt positive Auswirkungen auf die Wirtschaft erwarten
  • Die Finanzierung ist gesichert
  • Ausreichende Altersvorsorge bei Antragstellern über 45 Jahren

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren - Fast Track Immigration

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz gibt Unternehmen und ausländischen Fachkräften aus Drittstaaten die Möglichkeit, das Einreiseverfahren zusätzlich zu verkürzen.

Wenn ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegt, können Unternehmen mit der entsprechenden Vollmacht der betroffenen Fachkraft ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren bei der zuständigen Ausländerbehörde beantragen. Auch das Verfahren zur Anerkennung der ausländischen Qualifikation kann dadurch beschleunigt werden.

Das Verfahren können Fachkräfte nutzen, die eine Arbeitserlaubnis aufgrund der Blauen Karte EU oder des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes beantragen möchten. Bewerbern die über die Westbalkanregelung nach Deutschland kommen wollen, steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung.

Die Informationen auf dieser Website sollen Ihnen eine Orientierung über deutsche Visa und Aufenthaltserlaubnisse geben und stellen keine Rechtsberatung dar. Über den Visa-Navigator des Auswärtigen Amtes können Sie die aktuellen aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen finden. 

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